„Wenn du mir zeigen könntest, dass das weg ist..“

Wer mir auf Instagram folgt, der hat eine Sache in den letzten Monaten ganz deutlich erkennen können: Ich befinde mich an einem (weiteren) Tiefpunkt. So weit unten hab ich mich selten gefühlt. So richtig weit unten. Mit Zweifeln daran, ob es überhaupt irgendwie für mich weiter gehen kann. Versteht mich nicht falsch. Ich frage mich seit Jahren fast täglich ob und welchen Sinn mein Leben hat, in dem ich einfach nicht vorwärst komme, weil meine inneren Dämonen mich fest im Griff haben. Aber das war anders. Es war ein aktiver Wunsch, nicht mehr existent zu sein. Zu verschwinden. Und dem Schmerz, der mich zerrissen hat und es immer noch tut, zu beenden. Endgültig. An der Stelle danke ich auf jedenfall erstmal meiner Familie und meinen Freunden dafür, dass sie diese akute Phase mit mir durchgestanden haben und hier für mich den Aufpasser im Schicht-System gespielt haben. Ich liebe euch dafür.

 

Seit dem die ganz akute Phase vorbei ist und in eine Aushaltbarere übergegangen ist, beschäftige ich mich viel mit dem „Warum?“. Warum hatte ich mich damals nicht unter Kontrolle und hab meinen Ex verlassen? Das frage ich mich in erster Linie. Und diese Frage werde ich mir sicherlich noch lange stellen. Aber eine andere Frage ist mindestens genau so präsent und die Antwort darauf, die

EIGENTLICHE Antwort, der Grund für meine derzeitige Verfassung. Warum zerstört es mich JETZT so? Beziehungsweise WAS zerstört mich gerade so. – Tja, darauf gibt es viele mögliche Antworten, aber nur Eine, die mich im tiefsten Innern und in meinen Grundmauern erschüttert. Und das ist der Satz, den ich von meinem Ex Partner hörte, als er mir erklärte, warum wir beide kein Paar mehr werden können. – Die meisten von euch wissen, was da in etwa vorgefallen ist, aber für neue Leser eine kurze Zusammenfassung: Ich verließ meinen Ex im August aus einer Mischung von Ängsten und Zweifeln und habe zu lange gebraucht um das zu realiseren. Als ich das tat, offenbarte ich ihm das und entschloss mich zum ersten Mal in meinem Leben, für die Liebe zu kämpfen. Vergebens. Und das kann ich ihm nicht verübeln. Ich hab ihm eben wirklich weh getan. – Natürlich litt ich sehr darunter, abgewiesen worden zu sein. Wer hätte das nicht? Es war für mich in dem Moment so, als hätte ich meine Liebe eben erst in diesem Moment verloren. Und nicht am 29. August 2017. Und auch heute frage ich mich noch manchmal, was gewesen wäre, wenn. Wenn ich diesen Fehler nicht gemacht hätte. Müsste ich dann morgen alleine zur Beerdigung meiner Tante gehen, oder wäre er da um mich aufzufangen? Wären wir vor eineinhalb Wochen schick essen gewesen um unser Einjähriges zu feiern? Und überhaupt, wie geht es ihm gerade so? Diese Gedanken werden jedoch weniger. – Aber eine Sache wird nicht weniger. Der Grund dafür. Der Grund, weswegen es für ihn keine Option war, mir, beziehungsweise uns eine zweite Chance zu geben. Meine Erkrankung, die für die Grundsituation verantwortlich ist. Und auch das, kann ich ihm nicht vorwerfen. Und damit kommen wir zu dem, was ich eigentlich zu sagen habe und zu dem, wieso es mich so aus der Bahn wirft. Als er sagte:

„Wenn du mir zeigen könntest, dass das weg ist, dann wäre das ein ganz anderes Ding. Aber das ist ja leider nicht möglich.“

hat mich das in meiner Grundeinstellung bestätigt und klingt in meinem Kopf immer wieder nach, wie eine nie endende Melodie.

Wenn mich jemand fragt, welche Probleme ich habe, dann halte ich mich in der Regel relativ allgemein. Ich sage Sachen wie „Ich krieg meinen Kram nicht geregelt.“, „Ich hab Probleme in der Beziehungestaltung/Sozialverhalten.“ oder „Ich komm nicht richtig hoch.“ Irgendwie sowas, was möglichst nicht zu viel von dem Preis gibt, was wirklich in mir Zugange ist. Das soll ab heute anders werden. Ich werde mich heute noch etwas kurz fassen, aber es wird ein Eintrag darüber folgen, wie es sich anfühlt mit Borderline und Depressionen zu leben.
Die meiste Zeit kann und möchte ich nicht mit mir selbst leben. Ich möchte mich nicht mit mir befassen, mich nicht ansehen und meine Gedanken nicht hören. Vertrete ich zwar die Meinung, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat geliebt zu werden, so trifft dies in der Regel nicht auf mich zu. In meinen Augen. Ich halte mich nicht für liebenswert, maximal wertlos. Und ich glaube, dass andere mich auch nicht lieben können, was wiederum diese massiven Verlustängste mit sich bringt. Ich kann mir nicht vorstellen, wieso man mich lieben sollte. Es erschließt sich mir einfach nicht. Manchmal ekele ich mich regelrecht vor mir. Und das, obwohl ich, objektiv betrachtet eigentlich jemand bin, von dem andere sagen, „Jap. Guter Mensch!“ – Zumindest höre ich das oft. Aber ich kann das nicht annehmen. Ich kann gar nichts Gutes annehmen. Auch keine Hilfe. Demnach dreht sich bei mir meistens alles um die schlechten Dinge. An mir. Meinem Leben. Meinem Umfeld. Deswegen kann ich auch Dingen nicht gut nachgehen, die mir eigentlich gut tun würden. Oder die mir Spaß machen. Wenn ich tagelang meine Wohnung nicht verlasse, dann geißele ich mich damit selbst. ich bestrafe mich damit dafür, ich zu sein. So nehme ich mir auch Kritik immer mehr zu Herzen, als ein Kompliment. Es können hundert Leute sagen „Ja, das ist geil!“ und dann kommt einer um die Ecke und sagt „Nä, is’ scheiße.“ dann bestätigt mich dieser eine Mensch in meinen Selbstzweifeln so sehr, dass ich mich hundeelend fühle und die hundert Anderen sind quasi nicht mehr existent. Zu dem Ganzen gibt es dann noch ein Sahne-Topping, welches aus extremen Gefühlschwankungen/Affekten besteht und einem auf und ab der Gedanken. Denke ich in dem einen Moment zum Beispiel daran, nie wieder eine Beziehung eingehen zu wollen, stelle ich mir in der nächsten Sekunde die Frage, wie sich alleine sterben wohl anfühlen mag, wenn man sein Leben lang sowieso niemanden finden wird, der es mit einem aushalten kann. Oder vor dem ich nicht wieder weglaufe. Weil, scheiße verdammt.. Hab ich Angst davor, dass mich jemand doch lieben könnte! – Und ich kann nichts dagegen tun. Ich bin gefangen. In mir selbst. Mit mir selbst. In meiner Selbstverachtung, den Selbstzweifeln und mit all den Dämonen, die gegen mich kämpfen. Und jeder dieser Dämonen ist ein Teil meiner selbst. Ich bekämpfe mich selbst. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand diesen Kampf verliert. – Und darin wurde ich mit der obigen Aussage bestätigt. Meine Krankheit machte es ihm nicht möglich, mir eine zweite Chance zu geben. Und das wiederum heißt, wäre ich „normal“, ein normaler, gesunder Mensch, dann wäre ich jetzt nicht in dieser Situation. Es spielt hierbei auch absolut keine Rolle, ob das tatsächlich so gemeint war oder nur blöd formuliert war. Denn eigentlich verstehe ich ja, dass man nicht an meiner Seite sein möchte. Wenn ich schon selbst nicht an meiner Seite sein möchte. Und DA schließt sich der Kreis. Der ewige Teufelskreis. Mein Teufelskreis. Manchmal gelingt es mir da auszubrechen. An den Tagen gehts mir gut. An den Tagen habe ich Träume, schmiede Pläne und bin glücklich. Ich hoffe, dass bald wieder einer dieser Tage um die Ecke kommt. Und wer weiß, vielleicht erstreckt er sich dann über ein paar Tage mehr.

 

 

 

Ich tausche mich übrigens immer gerne mit anderen „Betroffenen“ aus, beziehungsweise Stelle mich als offenes Ohr zur Verfügung! Im Außen funktioniere ich ohnehin besser als im Innen. In diesem Sinne: Schönen Abend ihr Lieben und bis zum nächsten Mal.

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