„Ihr seid der Grund, für den Welthunger.“

Endlich habe ich wieder Zeit gefunden, etwas zu schreiben. Die letzten Wochen waren für mich, aus den unterschiedlichsten Gründen, sehr anstrengend, vor allem aber sehr vollgepackt. Umso mehr freu ich mich, jetzt die Zeit zu haben. Zunächst einmal habe ich ja in meinem letzten Beitrag angekündigt, dass ich mich mit der lieben Josie zusammensetzen möchte, um ihr eine Beauty-Rubrik auf meinem Blog einzurichten. Dazu folgt morgen dann ein ausführlicher Eintrag, mit allen Infos zu der Sache. Da werde ich euch Josie auch vorstellen. Wir werden morgen nochmal alles bei einem feinen Essen besprechen und dann geht es los. Seid also gespannt. Ich bin es auch!

 


Aber kommen wir nun zu dem eigentlichen Thema.

Wer kennt es nicht? Ständig wollen uns andere Menschen sagen, wie wir zu leben haben. Warum? Weil wir nicht in ihr perfektes Bild passen. Soweit sind wir uns ja nun alle einig. Ich war so frei und habe mich mal etwas damit beschäftigt, welche „Argumente“ diese Leute benutzen, um ihre Meinung zu rechtfertigen. Da gibt es natürlich den Klassiker wie

„Es ist total ungesund!“

Ja. Schön. Wie wäre es an der Stelle mal mit was Neuem? Wir leben im 21. Jahrhundert und sind, denke ich mal, alle über die medizinischen Folgen von Übergewicht/Untergewicht aufgeklärt. Das setze ich einfach an der Stelle voraus. Also was möchte man damit bewirken? Das wird mir niemals einleuchten. Als würde irgendjemand mit den Worten „Oh stimmt, ich geh direkt ins Fitti!“ antworten. Passiert einfach nicht. Wir hören es bei jedem Gang zum Arzt und das reicht uns auch. Danke.
Dann gibt es noch die abgewandte Form von diesem Klassiker, welcher dann eine Beleidigung voran geht, oder folgt. Das sieht dann ungefähr so aus: „Boah, fette Sau. Nimm mal ab, ist voll ungesund!“. Und DAMIT habe ich mich echt lange beschäftigt und habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich in schallendem Gelächter ausgebrochen bin. Denn wie schon beschrieben, lassen wir uns von einem neutralen „Das ist ungesund.“ schon nicht so beeinflussen, wie das manche vielleicht gerne hätten. (Und ich spreche hier wirklich nur von Aussagen, die von Fremden/der Gesellschaft kommen. Nicht von unseren Ärzten.)
Was denkt man sich also dabei, wenn man das Ganze noch mit Beleidigungen schmückt? Dass es besser im Kopf bleibt? Ich kaufe niemandem, der mich nicht kennt, ab, dass ihm was an meiner Gesundheit liegt. Und jemandem, der mich dabei auch noch beleidigt, noch weniger. Deswegen lassen mich solche Aussagen auch kalt. Und deswegen kann ich euch auch nur den Tipp geben, es genauso zu handhaben. Das klingt erstmal sehr viel einfacher, als es am Anfang ist. Aber je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr leuchtet es auch ein. Es ist einfach ein Mittel zum Zweck, um die eigene Unsicherheit auf andere zu übertragen. Und das ist schlicht und ergreifend pfui!

Was ich in letzter Zeit auch oft gelesen habe, ist:

„Ihr seid der Grund, für den Welthunger.“

HAHAHAHAHA! Sorry. Aber nein. Einfach nein. Das ist die lächerlichste Aussage, die ich jemals gehört hab. Was denkt ihr denn? Das jeder Übergewichtige vom Aufwachen bis zum Schlafen gehen was zu Essen im Mund hat? Entschuldigung!? Wie Falsch ist das denn?
Der Fairness wegen: Ja, gibt es sicherlich auch. Aber das ist wohl die Ausnahme. Was noch Lange nicht als Grund des Welthungers hervorgeht. Ich spreche jetzt mal von mir selbst:
Ich bin nicht fett, weil ich den ganzen Tag fresse. Fakt. Ich persönlich esse einfach nur falsch. Unregelmäßig. Meistens den ganzen Tag nichts, sondern nur einmal. Spät abends. Unterm Strich esse ich vermutlich den ganzen Tag über weniger, als der deutsche Durchschnitt. Gut, bedingt durch psychische Probleme haben sich bei mir im Laufe der letzten 6 Jahre auch die ein oder anderen Fressattacken eingeschlichen. Die sind aber seit geraumer Zeit passé und dennoch ging kein Kilo verloren. Was soll ich machen? Mir deswegen das Gesicht abziehen? Lasst mich essen wie, wann und was ich will. Und jeden anderen auch. Es muss doch furchtbar anstrengend sein, immer über die „Fehler“ der anderen nachzudenken und zu urteilen.
Und noch was: Wenn ihr jemanden in der Öffentlichkeit essen seht, der Dick ist, hört auf ihn angewidert anzustarren. Ja, wir haben auch Hunger. Und ja. Manchmal gehen wir auch mal in ein Restaurant. Hab da oft das Gefühl, die Leute gegenüber am Tisch, oder nebenan, hätten noch nie jemanden gesehen, der Dick ist. Außer im Fernsehen. Oder vom Hören-Sagen. – Lasst das einfach.

Dazu könnte ich noch tausend Worte verfassen. Aber um das, was ich zum Ausdruck bringen möchte, zu unterstreichen, ein kleiner Fun-Fact:
Einer meiner besten Freunde zum Beispiel, verdrückt die doppelten Mengen von dem, was ich so runter bekomme und wiegt bei einer Größe von 1,65 Meter, schätzungsweise 80 Kilo.
Aber natürlich. Ich bin fett, weil zu viel in mich hinein stopfe…

Und je länger ich (auch jetzt wieder) darüber nachdenke, desto klarer wird mir mit jedem Mal, dass es einfach nur um Ästhetik geht. Und das ist noch nicht einmal wirklich schlimm! Jeder hat seine eigenen ästhetischen Vorstellungen und Ideale. Aber es muss einfach aufhören, dass sie jeder ungefragt mitteilt. Und zwar meistens nur dann, wenn sie NICHT erfüllt werden.
Das Einzige, was man damit hervorruft, ist Unsicherheit und Angst. Und das ist, wie schon gesagt, falsch. Ihr wollt Weltfrieden und könnt nicht einmal eure direkten Mitmenschen in Frieden lassen. Das ist traurig.

Meine lieben Leser… Bitte! Lasst euch von diesen Leuten nicht weiter verunsichern. Bitte tut es nicht. Ich verstehe, was das mit einem macht. Und es dauert seine Zeit, bis man da umdenken kann.

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Ein klares „Nein“ zu Bodyshaming und dem Zwang, sich zu verstecken.

Aber wenn ihr das mal geschafft habt, dann werdet ihr merken, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Ihr werdet viel zufriedener sein. Auch mit euch selbst. Denn wie ich schon einmal kurz angedeutet habe: Man muss sich klar darüber werden, was einen eigentlich stört. Stört euch euer Körper? Und ich frage wirklich: Stört EUCH euer Körper? Wenn ihr diese Frage klar mit „Ja.“ beantworten könnt, dann liegt die Antwort auf der Hand. Ändert was. Aber wenn ihr diese Frage insgeheim mit „Nein.“ beantworten könnt… Tja. Auch dafür gibt es eine Antwort. Meine Antwort darauf war, dass ich einfach Angst vor meinen Mitmenschen hatte. Angst vor Verletzung und Verurteilung. Und wenn es euch ebenso geht, dann gebt ihnen nicht länger die Macht, euch zu verunsichern. Liebt euch. Ihr seid es wert.

Eure Anschi.

3 Gedanken zu „„Ihr seid der Grund, für den Welthunger.“

  1. Was soll man solchen klugen Worten noch hinzufügen? Du hast es perfekt ausgedrückt.

    Vielleicht einfach nur ein praktischer Tipp, weil einem ja meistens in der Situation, wo man beleidigt oder blöd angemacht wird, nichts Passendes einfällt.
    Wenn ich von einem Fremden, dem es nun wirklich nicht zusteht, kritisiert werde, schaue ich ihn an und sage ganz ruhig und ein bisschen unterwürfig: „Ich beneide Sie. Vor dem Hintergrund meiner Schwäche können Sie sich so richtig stark fühlen.“

    O.k., die meisten kapieren es nicht. Aber die, die es begreifen, haben einen Denkanstoß bekommen.

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