Entscheidungen. Niemand kann sie leiden, jeder muss sie treffen.

enjoy that little smiling face.

Entscheidungen. Das Leben ist voll davon. Auch meins. Ich war nie gut darin, Dinge zu entscheiden. Manchmal kann ich nicht unterscheiden, ob ich gerade etwas mit dem Kopf oder mit dem Herzen entscheide. Manchmal ist ohnehin die dritte Version besser, nämlich das Bauchgefühl. Aber dem vertrau ich noch weniger. Wenn ich mir 2017 anschaue, dann war das womöglich das Jahr in dem ich die meisten, lebensveränderten, Entscheidungen treffen musste. Viele davon erweisen sich nach wie vor als richtig. Manche stellten sich im Nachhinein als Fehler heraus. Wie geht man damit um? Kann man das gerade biegen? Und worum geht’s überhaupt? Nun, letzte Frage kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten, da ich festgestellt habe, dass es manchmal doch schlauer ist, gewisse Dinge aus der Öffentlichkeit fern zu halten. Dennoch möchte ich euch von dem inneren Konflikt, welcher hier entstand, erzählen.

Stellt euch vor, ihr habt im Leben, was ihr braucht um glücklich zu sein. Egal, was das ist. Für den einen ist das eine Katze, für den andern Nutella und wieder der Nächste braucht einfach nur seine Ruhe und Netflix. (Ich brauche übrigens all diese Dinge, of course.) Gehen wir davon aus, wir haben das, was wir brauchen. Und wir wissen das auch eigentlich. Soweit so gut! – Aber dann reicht euch das kleine Nutella Glas nicht mehr, weil.. zu klein. Offensichtlich. Ihr könnt daraus nicht schöpfen, was ihr eigentlich möchtet. Nämlich 16 Esslöffel, statt 15. Dabei spielt es keine Rolle, ob der 16. Löffel notwenig ist. Alles was gerade zählt, ist, dass ihr ihn nicht haben könnt. Damit könnt ihr nicht umgehen und vergisst, wie glücklich euch die 15 Löffel die ganze Zeit eigentlich gemacht haben. Das große Glas Nutella ist aber gerade überall vergriffen. Und ehe ihr euch versieht habt ihr dem Nutella den Rücken gekehrt, weil ihr euch von ihm verlassen fühlt. Es ist sowieso bald leer. Weil ihr mit dem Löffel auf dem Glasboden des kleinen Glas’ rum kratzt. Ich verstehe das, weil Nutella is life. – Dann dreht ihr euch einmal im Kreis, habt noch gar nicht richtig verarbeitet, dass euer Leben jetzt ohne Nutella weiter geht und rennt direkt in einen Becher Nusspli rein. KOMMT SCHON! Wie ekelhaft ist Nusspli? Euer Körper schüttet weiterhin Insulin in Massen aus, weil es immer den nächsten Löffel Nutella erwartet. Aber hey, mit ein bisschen Einbildungskraft schafft es das Nusspli, zumindest temporär, den Verlust des Nutella zu überdecken. Schmeckt ja halt schon ein bisschen schokoladig. Aber deine leeren Nutella Gläser sind trotzdem überall in der Wohnung verteilt. Weil, offensichtlich, richtig davon trennen geht auch nicht. Dabei wäre es so simple gewesen: Du wendest dich einfach an Ferrero, suchst das Gespräch und vielleicht stellen die dir ja dann das größere Glas bereit, wenn du dich damit besser fühlst. Weil du ja auch treuer Kunde bist. Aber nein, du bleibst lieber dumm und stur, hörst auf irgendwas, was du noch so aus dir aufschnappen kannst, während Herz und Kopf sich einen verbitterten Brüllkontest geben. Du schnappst Fetzen auf, setzt sie irgendwie zusammen, obwohl es nicht passt und voila: Deine Lösung.

Dass das keine Lösung ist sagt uns an der Stelle natürlich niemand. Also was tun wir? Richtig. Wir treffen eine Entscheidung. In diesem Falle eben diese, Nutella hinter uns zu lassen, weil es sowieso besser ist. Zu viel Zucker. Für den Insulin-Schock haben wir natürlich auch Antworten. Das wir süchtig nach dem Zucker sind spielt dabei gar keine Rolle und wird völlig ignoriert, während wir uns im Nusspli wälzen. Und so geht das dann ein paar Wochen. Langsam gewöhnen wir uns zwar an den Geschmack, aber wirklich schmecken tuts halt trotzdem nicht. Jetzt ist das Nusspli ja nicht dumm. Das checkt irgendwann (noch bevor du selbst das tust), dass es nur Ersatz ist. Und ich glaube, da reagieren alle Nuss Nougat Cremes gleich, wenn sie merken, dass sie keine Priorität, sondern ne Option sind: Sie sind weg. Und dann sitzt du da. Plötzlich bemerkst du, dass du ohne Nutella einfach doch nicht leben kannst. Du hältst dich für gestört und verrückt. Fragst dich, wie du dich überhaupt von ihm trennen konntest. Es passte doch so gut zu dir. Dunkelbraun um den Mund steht dir SO gut. Bist schon drauf und dran alternativ einfach zum Eis zu greifen, stoppst dich aber im letzten Moment.

this is me, being a happy person.

Und dann gehts los. Tausende Fragen. Und die wollen beantwortet werden. An der Stelle hätte ich vor 2 Jahren aufgehört und doch zum Eis gegriffen. Diesmal hab ich mich damit auseinander gesetzt. Über Monate hinweg. Intensiv und teilweise verzweifelt. Um schlussendlich zu erkennen, dass mein geliebtes Nutella gar keine Schuld traf. Es konnte nichts dafür, dass die Mittel zu dem Zeitpunkt einfach begrenzt waren, mich „zufrieden“ zu stellen. Mich zu beruhigen. Mir mehr zu geben. Es gab eben nur das kleine Glas. Hätte ich den nächsten Einkauf abgewartet, hätte es das Große wieder gegeben, das weiß ich. Aber erst jetzt. – Warum heute trotzdem ein guter Tag ist, obwohl die Geschichte an sich eigentlich traurig klingt? Weil ich einen Schritt weiter gegangen bin, nachdem ich mir zu 100% sicher war. Ich hab mich an Ferrero gewendet, einen langen Brief verfasst und mich erklärt. Ich habe mich von mir selbst befreit, in dem es mir zum ersten Mal gelungen ist, mich selbst zu analysieren. Natürlich mit Hilfe von Außen, dass will ich nicht bestreiten. Aber es ist mir zum ersten Mal gelungen, einen, in mir tobenden Krieg zu beenden. Die Wörter zu finden und auch auszusprechen bzw auszuschreiben. Und dadurch ist es mir gelungen, ein bisschen mehr Frieden für mich zu finden. Mich meinen inneren Dämonen zu stellen und zu sagen „Kommt doch, ihr Penner. Ich nehme es mit euch auf.“ War blutig, ja. Aber notwendig.
Ob ich jetzt wieder Nutella im Schrank habe? Nein. Das wäre zu früh. Es wird seine Zeit brauchen. Und vielleicht wird es auch nie wieder in meinem Schrank stehen. Aber es ist zumindest nicht mehr ganz so böse. Und das ist doch was.

Damit begebe ich mich jetzt in die Küche und mach Falafel mit Salat. Ich bekam, nur vom Schreiben, Karies. Euch schick ich in ein schönes Wochenende und habt viel Spaß, Girls und Boys.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.