Neues aus der Statistik-Hölle


Die DAK hat eine Studie raus gehauen, in der es darum geht, wie sehr übergewichtige/adipöse Menschen im Alltag mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Und die daraus hervorgehenden Zahlen sind mehr als erschreckend.
Ich musste das Ganze auch erstmal einen Tag sacken lassen, bevor ich darüber schreiben wollte. Hab ich getan. Bin immer noch so sauer wie gestern, aber auch ein bisschen zu Recht, wie ich finde.

Hier mal ein kleiner Überblick:

„71 Prozent der Deutschen finden fettleibige Menschen unästhetisch. Von dicken Menschen sagen das ‚nur’ 38 Prozent. Übergewichtige gelten oft auch als lustig (35 Prozent). Von fettleibigen Menschen sagen dies lediglich 13 Prozent. Findet noch fast jeder Zweite (43 Prozent) dicke Menschen gesellig, trifft das auf Adipöse nur mit 13 Prozent zu. Und: Jeder Achte (15 Prozent) vermeidet sogar bewusst den Kontakt zu ihnen.“

Zum Thema Ästhetik habe ich mich ja schon das ein oder andere Mal geäußert. Jeder empfindet es anders und das ist auch ok. (Zumindest solange, wie man es für sich behält.) Auch wenn die Zahl deutlich höher ausfällt, als ich persönlich es erwartet hatte.

Das dicke/adipöse Menschen lustig sind, ist der größte Käse, den es gibt. Zumindest, wenn man sagen würde, sie seien lustiger als alle anderen. Wieso? Wieso soll das denn so sein? Ich würde das so gerne von einem der Befragten hören. Vor allem hat es den fahlen Beigeschmack, dass man meinen könnte, dass dies der einzige Grund dafür sei, warum man uns überhaupt tolerieren könnte. Danke auch.

Kleine Geschichte von Vorgestern:
Ich habe Faisal Kawusi auf dem Heimweg gesehen, bin gestolpert und hingefallen. Weil ich ihm nachgeschaut habe. Denn ich persönlich habe einen kleinen Faible für „schwere“ Männer und Bärte. Da ist er also quasi ein Jackpot. – Erzähl ich es einem Kumpel, worauf hin er meinte „Es ist super lustig, wenn Dicke fallen. Das tut den ja auch weniger weh.“ – Möööp. Es hat RICHTIG weh getan. Zwei Minuten später fragt er, wie es dem Boden geht…
Auch wenn ich weiß, dass er das nicht böse gemeint hat, hier nochmal für alle: Leute, wir sind nur fett. Und keine Nokias aus dem Jahre 1998. Beton zerbröselt nicht unter uns! Aber ich schweife schon wieder ab.

Das man uns für ungesellig hält, kann ich tatsächlich nachvollziehen. Ganz ehrlich. Aber auch da gilt die Frage, woran das wohl liegt? Die Antwort darauf findet man doch schon in den ersten Zahlen dieser Studie. Natürlich haben wir wenig Bock darauf uns Leuten auszusetzen, die uns wegen unserer Fülle sofort verurteilen. Die einen lassen sich davon (leider) mehr beeinflussen und andere wiederum weniger. – Ganz ehrlich. Wart ihr schon mal in einem Fitnessstudio? Also mit Übergewicht? Wenn du den Entschluss gefasst hast, deinen Körper zu verändern und dann im Gym von Typen ausgelacht wirst, die gerade 100 Kilo stemmen, dann muss einem doch klar werden, dass die Problematik ganz wo anders liegt. Aber nein, Fette sind ja einfach scheiße und selbst schuld.

Und jetzt kommen wir zum letzten Punkt. Jeder Achte vermeidet bewusst den Kontakt zu dicken/adipösen Menschen. Ey… Was? WAS? Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ich hab mich vorerst für herzliches Lachen entschieden, aber das ist SO traurig, dass selbst mich das in den kommenden Tagen noch sehr zum grübeln bringen wird.
Ich weiß auch gar nicht so genau, was ich dazu sagen kann oder soll. Ich würde diesen Leuten gerne nochmal vor Augen führen, dass Adipositas NICHT ansteckend ist und das wir neue Bekanntschaften nicht an einen Stuhl fesseln, um sie mit Kalorien vollzustopfen. Wir sind genau so Mensch, wie jeder andere auch. Wir tragen einfach nur mehr Gewicht mit uns rum. Das ist alles. Das ist alles, was uns von den anderen unterscheidet. Unsere Gefühle wurden nicht von unseren Fettzellen aufgefressen. Nur so als Tipp.

Im Großen und Ganzen kann man eigentlich gut erkenne, was das für uns bedeutet. Wir führen zwei Kämpfe. Den, gegen uns selbst und den, gegen unsere Gesellschaft. Und das, liebe Leute, ist ein absolutes Armutszeugnis…

DAK-Gesundheit und die Johnson & Johnson Medical GmbH möchten aber, was ich ziemlich feier, deutschlandweit vermehrt und intensiver über Adipositas aufklären und haben eine Wanderausstellung mit dem Titel „schwere(s)los“ auf die Beine gestellt. Ich werde diese Ausstellung besuchen und euch darüber berichten. Und ich werde auch natürlich darüber informieren, wo ihr diese Ausstellung selbst besuchen könnt.

Bis dahin,
eure Anschi.

 

PS.: Ich saß vorgestern im Bus (Chlodwigplatz Richtung Heumarkt, gegen 15 Uhr) und gegenüber von mir saß ein junger Mann, der auch ziemlich adipös war. Er wird das vielleicht niemals lesen, aber: Du bist wunderschön. – Man sollte mehr Liebe verteilen.

 

 

Quelle: XXL-Report, so werden dicke Menschen ausgegrenzt / www.dak.de /  21.09.2016

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